Zwei wunderbare Abende mit Haydns “Schöpfung” in der Andreaskirche liegen hinter uns. Dirigent, Chor, Solisten und Orchester wussten nicht nur das Publikum in der pickepackevollen Kirche zu überzeugen, sondern auch die Rezensenten von Rheinischer Post und Westdeutscher Zeitung. Deshalb hier noch einmal die beiden Kritiken in voller Länge:
Aus der “Rheinischen Post” vom 14.09.2019 (Autorin: Heide Oehmen):
Diese Frische und Brillanz taten der “Schöpfung” gut
Auch das 29. Jahr des Düsseldorf-Festivals begann mit einem eindrucksvollen Kirchenkonzert, diesmal mit der „Schöpfung“ von Joseph Haydn. Festival-Gründerin und -organisatorin Christiane Oxenfort freute sich über eine voll besetzte, wie stets bereitwillig von den Dominikanern zur Verfügung gestellte Andreaskirche.
Dirigent Martin Fratz, der souverän, mit vollem Einsatz und detailgenau leitete, spürte wie vermutlich viele der Zuhörer die beklemmende Aktualität dieser (von Haydn in zu Unrecht belächelter Einfalt geschilderten) Schöpfungsgeschichte. Fratz fand ausnahmslos die richtigen Tempi, nahm sich die Zeit, jede Aussage, jede tonmalerische Wendung gebührend auszuformen und ermunterte alle Mitwirkenden, es ihm gleichzutun.
Mit brillanter klanglicher Frische (dank vieler junger Stimmen), klarer Diktion und erstaunlicher dynamischer Bandbreite folgte ihm aufmerksam der groß besetzte Chor der Andreaskirche, der keine Wünsche offen ließ. Dass das Orchester sich aus Mitgliedern zahlreicher deutscher Berufsorchester zusammensetzt, ahnte der Zuhörer nicht – so homogen, einfühlsam und fein abgestimmt wirkte der Klangkörper. Stellvertretend für viele exquisite Soli sei die Soloflöte hervorgehoben.
Wolfgang Klose setzte seinen lyrischen, klug geführten Tenor mit reichen Farbschattierungen ein. Neben der überlegen gestalteten Arie „Mit Würd‘ und Hoheit angetan“ seien vor allem die beiden Rezitative im dritten Teil des Werkes genannt, die selten so ausdrucksintensiv zu erleben sind. Rolf A. Scheider, Bass, lotete seine bildhaften Natur-und Tierschilderungen mit großer Sorgfalt aus. Bei den Liebes-Duetten hätte er als Adam seiner Eva ruhig einmal einen Blick schenken können, denn Heidi Elisabeth Meier beglückte mit einem glockenhellen, höhensicheren und dennoch lyrisch-innigen Sopran, dessen Ausdruckskraft ganz natürlich wirkte.
Großer Jubel belohnte ein berührendes Konzert (ohne Pause)
Die Westdeutsche Zeitung veröffentlichte am 16.09.2019 eine nicht minder begeisterte Kritik von Autor Günter Schultz:
Haydns Schöpfung beim Düsseldorf Festival - Großer Applaus in der Andreaskirche
Wer träumt nicht gerne von blühenden Landschaften mit klaren, rauschenden Bächen, mit reichen Früchten und duftenden Kräutern, von Heerscharen mit Vögeln wie Lerche und Nachtigall, von großen Walfischen in sauberen Meeren, von Tigern, Löwen, Hirschen, Pferden, Schafen und Insekten? Es reicht! Und wie sieht die Wirklichkeit heute aus? Brennende Wälder, vertrocknete Felder, vermüllte Meere, nitratverseuchtes Grundwasser, Rekordhitze und Artensterben. Es reicht!
Das weltliche Oratorium “Die Schöpfung” von Joseph Haydn, vor 220 Jahren uraufgeführt, beschreibt die oben genannte Idylle unserer Erde, verbunden mit dem Lobgesang auf ihren Schöpfer. Mag das Oratorium inhaltlich naiv erscheinen, wenn es textlich und musikalisch eine “heile Welt” beschreibt, man kann es aber auch als Mahnung an uns Menschen in Anbetracht einer ins Wanken geratenen Natur begreifen.
Der Dirigent Martin Fratz führte dieses großartige Werk im Rahmen des Düsseldorf Festival 2019 in der bis auf den letzten Platz besetzten St. Andreaskirche auf. Ihm zur Seite standen Chor und Orchester der Andreaskirche sowie die Solisten Heidi Elisabeth Meier (Sopran), Wolfgang Klose (Tenor) und Rolf A. Scheider (Bass). Mit äußerst präzisem Dirigat und zügigen Tempi führte Fratz seinen hervorragend geschulten Chor zu stimmlicher und interpretatorischer Höchstleistung. “Heil Dir, o Gott, o Schöpfer, Heil” beschwört die Achtung vor der Schöpfung, vom fast hundert Mitglieder starken Chor mit starkem Ausdruck und Engagement dargeboten. Die visionäre Mahnung folgt auf dem Fuß “Wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen als ihr habt”. In diesem Geiste entfaltete die Interpretation eine eindringliche Wirkung.
Das professionelle Orchester, deren Mitglieder aus zahlreichen Symphonie- und Opernorchestern rekrutiert wurden, bestach durch Klangvielfalt und sensible klangfarbliche Gestaltung. Ebenso überzeugend musizierten die ausgezeichneten Solisten. Mit geschmeidigem und wohlklingendem Timbre ausgestattet, und in den Terzett-Beiträgen klanglich ausgewogen hatten sie neben den Solo-Auftritten ihre eindrucksvollsten Momente im Zusammenwirken mit dem Chor.
Großartig das Finale “Singt dem Herren alle Stimmen”, in dem Martin Fratz den gesamten Klangkörper zu einem fesselnden Schlussspurt antrieb. Gänsehaut. Großer Applaus. Glückwunsch auch an die beiden Intendanten Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen für den gelungenen Auftakt ihres Festivals.